Vorwort
Meinungs-
und Bekenntnis-Umfragen enthalten ein Unsicherheitsrisiko. Die
Befragten – die Frau oder der Mann von der Straße – verstehen
oft die entscheidende Frage nicht, sind unsicher, schwanken,
antworten nicht wahrheitsgemäß oder heute so und morgen so. Häufig
werden die Fragen nicht eindeutig gestellt.
Beispielsweise,
wenn gefragt wird, ob man „an ein Leben nach dem Tod“ glaube. Das
kann entweder Glaube an eine unsterbliche Seele, an Wiedergeburt,
oder an die biblische Auferstehung der Toten bedeuten. Wer diese
Aussagen nicht unterscheidet und in einen Korb legt, wirft Äpfel,
Birnen und Orangen zusammen nach dem Motto: Hauptsache Obst! So
verfuhren die Organisatoren von Umfragen in den letzten Jahren. Es
ist verwunderlich, dass auch die EKD hier bei einer
Bertelsmann-Umfrage 2009 keinen Unterschied erkannte und – die
Ergebnisse resümierend – feststellte, zwei Drittel der Deutschen
glaubten „an Auferstehung“(!).
Immerhin
musste man einräumen, dass in Ostdeutschland dieser Glaube weniger
verbreitet ist als im Westen, dass ältere Menschen hier mehr
Glaubensschwierigkeiten haben als jüngere, und dass es unter
Männern und Protestanten mehr Zweifler gibt als unter Frauen und
Katholiken. Die letzten Umfragen ergaben jedoch einheitlich, dass
nur etwa ein Drittel der Befragten überhaupt „fest“ an ein (wie
immer geartetes) Leben nach dem Tod glaubt. Der nüchterne Schluss
daraus lautet, dass nur etwa 10% bis 15% der Deutschen – der
Christen – an die biblische Botschaft von der Auferstehung der
Toten glaubt.
Das
ist auffällig, wenn man bedenkt, dass der Anteil der Christen an der
Gesamtbevölkerung etwa 60% beträgt. Muslime zeigen, den Befragungen
zufolge, ein signifikant deutlichere Glaubensstärke, was das Leben
nach dem Tod angeht. Offensichtlich wird der zuständige
Glaubensartikel „Wir glauben ...“ bzw. „Ich glaube ... an
die Auferstehung der Toten“ im Großen
(Nizäno-Konstantinopolitanischen) und kleinen (Apostolischen)
Glaubensbekenntnis bei verschiedenen Gelegenheiten zwar rezitiert,
aber wenig geglaubt. Oft sind Unglaube und Unsicherheit in mangelndem
Verständnis begründet, was zum Teil auch daran liegt, dass dem
Unverständnis dieses Glaubensartikels in Unterricht, Predigt,
Kasual-Ansprache u.ä. zu wenig entgegengearbeitet wird. Viele in der
Verkündigung Tätige halten – grundsätzlich zu Recht – die
Hörer zu sozial-karitativem Verhalten an, tun dies aber auch bei
Gelegenheiten (zB an Hochfesten), wo es angezeigt wäre, die
biblische Gottes- und Glaubens-botschaft dem Verständnis zu
erschließen.
Die
Erneuerung der Liturgie, wie sie das 2. Vatikanische Konzil
beschloss, sah wohl begründet vor, dass die „Geheimnisse des
Glaubens“ zuerst, dann die „Richtlinien für das christliche
Leben dargelegt werden“ (Liturgie-Konstitution Nr.52; vgl. Nr.24).
Die
Nötigung, die – wenig später – vom damaligen Zeitgeist (68er
Revolution) auf die Institutionen ausging, „sich gesellschaftlich
zu legitimieren“, hat offensichtlich stark auf die Kirchen, ihr
Personal und ihr Handeln eingewirkt. Eine Schieflage, wo sie
entstanden ist, sollte korrigiert werden. Das Konzil hat das
Bedürfnis gesehen und gut geheißen, für die Gläubigen und alle
Interessierten Angebote einer grundlegenden Einführung (Initiation)
in das christliche „Geheimnis des Glaubens“ zu erarbeiten.
Als
Antwort auf dieses Bedürfnis entstand zunächst der „Holländische
Katechismus“, sodann als ökumenische Produktion „Das Neue
Glaubensbuch“, dem auf offiziell katholischer wie evangelischer
Seite sorgfältig erarbeitete Katechismen für Erwachsene folgten,
bis der neue Römische Katechismus die Reihe abschloss.
Im
gleichen Zeitraum entwarfen namhafte Theologen (Ratzinger, Rahner,
Schillebeeckx, Küng, de Lubac, Biser u.a., auf evangelischer Seite
zB Ebeling, Zahrnt,
Schlink,
zuletzt Ritschl-Hailer) tiefgründige Einführungen in das
Christentum. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts war, wie es
scheint, das Bewusstsein, das Glaubens-Verständnis je neu vermitteln
zu müssen, viel wacher als heute, im zweiten Jahrzehnt des 21.
Jahrhunderts, wo Verantwortliche nicht selten tun, als verstünden
sich die Glaubensinhalte von selbst oder als käme es nicht so genau
darauf an, was die Leute glaubten, als dass sie glaubten.
Die
Frage nach der Auferstehung der Toten benötigt nicht nur eine
Sachklärung – was ist (nicht) gemeint? – , sondern bietet
zugleich Gelegenheit der Hinführung zu Grundlagen des christlichen
Glaubens überhaupt.
Der
Haupttext wendet sich an alle Interessierten; Anmerkungen sind für
Fachleute gedacht.
Klaus P. Fischer