Vorwort
Ein Schmerz erwacht mehr und mehr in der Kirche, in ihren
geistlich lebendigen Gliedern. Es ist der Schmerz über die Spaltung, die in sie
eingedrungen ist, über den Verlust der Herrlichkeitsfülle, die ihr im Anfang
verliehen war. Umsonst haben in den vergangenen Zeiten die edelsten Söhne der
Kirche nach Wiederherstellung der verlorenen Einheit, nach Wiedererlangung der
ursprünglichen Gnadengüter gerungen; unüberwindliche Hindernisse sahen sie sich
entgegengestellt. Ist aber der Schmerz der Glieder nicht ein Widerhall der
Gefühle, die das Herz des himmlischen Hauptes bewegen? Und wird der erhöhte
Herr, der menschgewordene Sohn Gottes, nicht selbst hervortreten, um Seine
Kirche die verlorene Einheit und Herrlichkeit wiederzugeben? Wird Er sie nicht
bereit machen für seine Erscheinung? Der Glaube der Heiligen ist Seiner Hilfe
gewiss und das Wort der Verheißung stellt sie in sichere Aussicht. Sollen
Gottes Kinder nicht ihrer harren? Sollen sie nicht den Kundgebungen des Herrn
im Geiste lauschen, ob Er sicht nicht aufmacht von der Rechten des Vaters, um
seine und Seines Volkes Sehnsucht zu stillen? Müssen Gottes Kinder nicht
suchen, um zu finden? – Der Mann, dessen Lebensbilde wir hier näher treten, hat
gesucht und diese Blätter berichten, was er gefunden hat. Mögen Lutzens
Geschichte dem Volke Gottes zum Segen sein!
Augsburg, am Tage der Darstellung des Herrn, 2. Februar
1891
W. L. Scholler